Ziele und Anforderungen der Restaurierung

Zusammenhänge und Qualitätsanspruch
Ansicht Mechanik und Klaviatur restauriertes Döhnert Piano

Zur Qualität verpflichtet | Die vollständige Restaurierung stellt sehr hohe Qualitätsanforderungen an die technische Konstitution des fertigen Instrumentes

Verziertes Konzertklavier von Förster

Instrumente der Oberklasse | Exemplare wie dieses reich verzierte Konzertklavier von Förster sind, umfassend restauriert, seltene Unikate von hohem Wert

Ansicht Mechanik und Klaviatur restauriertes Döhnert Piano

Wichtiger Part | Die Stege sind eines der sensiblen Gebiete, an denen sich die Klangqualität entscheidet

Ansicht Mechanik und Klaviatur restauriertes Döhnert Piano

Individualität | Die Restaurierung muss auf jedes Instrument sehr individuell zugeschnitten sein - hier ein Tafelklavier im Originalzustand

Ansicht Mechanik und Klaviatur restauriertes Döhnert Piano

Einzelanfertigung | Häufig ist die Anfertigung von Ersatzteilen oder die Neukonstruktion wichtiger Teile nötig

Ansicht Mechanik und Klaviatur restauriertes Döhnert Piano

Neuaufbau von Grund auf | Die Restaurierung erfordert teilweise eine vollständige Zerlegung des Instrumentes

Ansicht Mechanik und Klaviatur restauriertes Döhnert Piano

Blankes Metall | Der Hochglanz neuer und restaurierter Bauteile verdeutlicht die Philosophie der Restaurierung

Ansicht Klaviatur restauriertes Döhnert Piano

Elfenbein - Klaviatur | Als Kontaktpunkt zwischen Spieler und Instrument muss der Klaviatur besondere Sorgfalt gewidmet werden

Ansicht Innenraum Blüthner Flügel

Anspruchsvoll | Innenansicht eines Blüthner Flügels nach der Restaurierung - die vorzügliche Qualität von Blüthner muss auch in den Restaurierungsarbeiten erreicht werden

Priorität: Das Gesamtbild

Die Restaurierung unterscheidet sich von Reparaturen insofern, als dass hier nicht nur einzelne Mängel behoben werden, sondern das Instrument als Ganzes neu aufgebaut wird, mit dem Ziel, aus der - oft sehr guten - Grundsubstanz das beste mögliche Instrument zu schaffen. Der Klang und der technische Stand soll dem eines Neuinstrumentes mindestens ebenbürtig sind. Dafür ist es nötig, die gesamte Technik wirklich umfassend zu bearbeiten; jeder einzelne Part des Instrumentes muss nicht nur selbst in gutem Zustand sein, er ist auch auf das Zusammenspiel mit allen anderen Teilen angewiesen. Belässt man am Instrument ein Problem unbehoben, wird dieses "Haar in der Suppe" das Gesamtergebnis stark schmälern.

Umfassend und individuell

Alle Arbeiten, die Sie unter dem Menüpunkt "Reparatur" finden, sind Bestandteil einer Restaurierung. Darüber hinaus kommen noch unzählige andere Schritte hinzu, die von Fall zu Fall variieren. Sie alle müssen auf das Instrument zugeschnitten sein, aufeinander abgestimmt sein und müssen den Klangcharakter und den Stil des Instrumentes im Blick haben.

Technische Details

Ein hochwertig restauriertes Instrument muss in seinen technischen Details eine Reihe von Voraussetzungen und Bedingungen erfüllen. Kann die Restaurierung alle diese Ansprüche erfüllen, ergibt sich zumeist ein wertvolles, dauerhaftes Instrument von sehr hohem Niveau. Im Folgenden finden Sie eine Liste von Anforderungen an ein restauriertes bzw. neu aufgebautes Instrument.

Stabile, unbeschädigte Rastenkonstruktion und solider Korpus

Alle statisch belasteten Teile müssen in gutem Zustand sein. Starker Holzwurmbefall, Rissbildung oder stark verzogene Teile sind ebensowenig akzeptabel wie grobe Veränderungen durch unsachgemäße Reparaturarbeiten, fehlende Teile oder Beschädigungen des Instrumentes durch Anpassungen an räumliche Umstände. Die Statik des Instrumentes muss genau beurteilt und für dauerhaft haltbar befunden sein.

Intakte und unbeschädigte Gussplatte

Die Gussplatte trägt die Saitenzugspannung von 15 - 20 Tonnen. Sie muss daher absolut frei von Schäden wie Rissen oder Brüchen sein und muss vor allem gut konstruiert sein. Letzter Punkt ist jedoch nur von Bauweise des Instrumentes abhängig. Eine Restaurierung eines Instrumentes mit grob fehlkonstruierter Gussplatte ist nicht sinnvoll. Jedoch sind nahezu alle historischen Konstruktionen in dieser Hinsicht hervorragend.

Neuer Saitenbezug

Jeder Saitenbezug eines Instrumentes beginnt nach ca. 50 Jahren, müde zu werden und kann hohen Ansprüchen an den Klang nicht mehr genügen. Ein neuer Saitenbezug ist für ein restauriertes Instrument ein Pflichtpunkt (Das Wiederaufziehen der originalen Saiten entbehrt jeder sinnvollen Grundlage). Beginnend bei der verwenduch hochwertigen Saitendrahtes ist auf das genaue Anliegen am Steg ebenso zu achten wie auf perfekt gerichtete Chore und das sinnvolle Abdämpfern schwingungsfähiger Bereiche hinter dem Stege. Die Saiten dürfen in keiner Weise geschwächt sein, um ihre Zerreißgrenze nicht zu verringern.

Hochwertiger Basssaitenbezug

Die Herstellung von Basssaiten gilt im Klavierbau als eine Kunst. Für einen guten, ausgewogenen Klang müssen stets neue Basssaiten angefertigt werden. Hier muss jedoch der gesamte Basssbezug vom selben Hersteller mit einheitlichen Materialien gefertigt werden. Alle Basssaiten müssen gleichmäßig und gleichartig in ihren Durchmessern und Bespinnungslängen sein. Der originale Basssaitenbezug muss genau vermessen werden und entweder exakt kopiert werden oder, wenn Verbesserungen nötig oder möglich sind, entsprechend der Erfahrungen nach optimalen Ergebnissen variiert werden.

Intakte Stege

Die Stege müssen frei von Rissen und alle Verleimungen müssen fest sein. Die Saitenschwinung soll hier optimal auf den Resonanzboden übertragen werden. Daher müssen bei jedem alten Instrument die einen oder anderen Arbeiten am Steg vorgenommen werden. Stege im Originalzustand mit alten Stegstiften sind ein großer Mangel, insbesondere durch die immer wieder auftretende Korrosion an den Stiften und die häufige Rissbildung.

Rissfreier Resonanzboden

In jeder Restaurierung müssen alle Risse im Resonanzboden geschlossen werden. Bestehende oder sich andeutende Risse nicht nicht akzeptabel, da hieraus starke Einschränkungen im Klang entstehen können. Eine neue Lackierung des Bodens ist ebenfalls stets nötig, die Verwendung eines hochwertigen Lackes wirkt sich auf den Klang aus.

Resonanzbodenwölbung und Lager

Der Resonanzboden muss in seinen Lagern fest verleimt sein und darf keine losen Bereiche, die nicht in der Konstrukion bedingt sind, aufweisen. Darüber hinaus muss eine Wölbung vorhanden sein, die den Stegdruck dauerhaft sicherstellt.

Stimmwirbel und Stimmstock

Absolute Grundbedingung ist eine gute Stimmbarkeit. Die Stimmwirbel müssen mit dem richtigen Drehmoment laufen und mit der richtigen Festigkeit im Holz sitzen. Neue Stimmwirbel sind immer, ein neuer Stimmstock ist oft nötig. Gerissene Stimmstöcke, auch bei nur einem einzigen Riss, müssen unbedingt ersetzt werden. Das Ausbessern mit Stimmwirbelhülsen oder das Einschlagen stärkerer Wirbel bei beschädigtem Stimmstock sind nurmehr als kurzfristiger Notbehelf zu werten, dessen Sinnhaftigkeit bezweifelt werden muss.

Klaviatur

Die Tastenbeläge der Klaviatur müssen sauber und glattpoliert sein. Bei Elfenbeinbelägen muss eine ebene Oberfläche vorhanden sein, die Platten dürfen nicht zu dünn sein. Elfenbein soll weiß und nicht verfärbt oder vergilbt sein. Die Obertasten müssen gleichmäßig schwarz und unbeschädigt sein. Bei der Regulierung der Klaviatur ist absolute Präzision vonnöten. Alle Fugen (Spatien) zwischen den Tasten sollen gleich sein, alle Ober- und Untertasten in einer perfekten Ebene stehen, die Spieltiefe und das Spielgewicht muss exakt einheitlich sein. Alle Tasten müssen gleichmäßig leicht zu bewegen sein, dürfen jedoch in ihren Garnierungen weder zuviel Spiel haben, noch zuviel Reibung aufweisen. Beim Spielen soll die Klaviatur das Gefühl der Präzision vermitteln, wie man es von Neuinstrumenten kennt. Die subjetive Wahrnehmung des Spielers, ein altes Instrument vor sich zu haben, entsteht häufig aus feinsten Unregelmäßigkeiten in Klaviatur und Mechanik. Das restaurierte Instrument soll hiervon frei sein.

Mechanik

Alle Achsen in der Mechanik müssen die richtige Reibung in den Garnierungen haben, weder dürfen sie zu fest noch zu leicht gehen. Die Regulierung ist an einer Spieltiefe von 9,5 mm bis 10 mm und einer Steighöhe von 47 mm auszurichten. Hammerköpfe und Hammernüsse, Hebeglieder und Fänger müssen einheitliche Spatien aufweisen, der Fang und die Auslösung müssen sorgfältig eingestellt sein. Besonders bei alten Mechaniken kann es umfangreiche Restaurierungsarbeiten erfordern, die notwendige Genauigkeit wiederherzustellen. Das Spielgefühl sowohl ohne wie mit getretenen Pedalen soll das Gefühl von Präzision und Genauigkeit vermitteln, Spieleindrücke der "Klapperigkeit" oder Verschlissenheit dürfen nicht entstehen.

Hammerköpfe

Neue Hammerköpfe sind ein weiterer Pflichtpunkt in einem restaurierten oder neu aufgebauten Instrument. Ein guter Ton fordert Hammerköpfe ohne Alterserscheinungen. Die Auswahl der Hammerköpfe muss in ihrer Größe genau dem Instrument angepasst sein, auch die ursprüngliche Härte ab Werk ist zu muss in Betracht gezogen werden. Eine sorgfältige Vorintonation und eine sauber ausgearbeitete Intonation nach Konzertansprüchen ist hier der Anspruch des Klavierbaues. In Anbetracht des großen Einflusses, den jeder kleine Handgriff hier auf den Ton ausübt, kann dies als der kritischste Bereich einer Restaurierung gelten.

Dämpfung

Eine gleichmäßige und wirksame Dämpfung ist ein musikalisches Erfordernis. Da die originale Dämpfung nun in den seltensten Fällen den musikalischen Ansprüchen gerecht wird, sind in fast jedem Falle neue Dämpfer einzusetzen. Fertig reguliert werden gleichmäßige Dämpferkraft, absteigend von Bass nach Diskant, gleichzeitiges Abheben beim Pedaltreten und die Regulierung auf Halbgang der Taste sowie auch optische Gleichmäßigkeit gefordert.

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