Erneuern der Hammerköpfe

Kunstwerke aus Filz und Holz
Vielfalt Eine Auswahl alter und neuer Hammerköpfe

Vielfalt | Eine Auswahl alter und neuer Hammerköpfe

Anatomie Der Aufbau eines Hammerkopfes

Anatomie | Der Aufbau eines Hammerkopfes

Gegenüberstellung Der Vergleich alter (oben) und neuer Hammerköpfe zeigt deutliche Unterschiede

Gegenüberstellung | Der Vergleich alter (oben) und neuer Hammerköpfe zeigt deutliche Unterschiede

Frisch geliefert Ein Satz neuer ABEL-Hammerköpfe

Frisch geliefert | Ein Satz neuer ABEL-Hammerköpfe

Hammerköpfe / Filze

Die Hammerköpfe werden umgangssprachlich oft "Filze" genannt. Sie sind sensible und für den Klang des Instrumentes sehr wichtige Bauteile. Da Filz ein Verschleißmaterial ist, zudem noch anfällig für Mottenbefall oder Schimmelbildung, weisen viele ältere Instrumente Schäden an ebendiesen Teilen auf. Oft wird hier davon gesprochen, es sei eine "Erneuerung der Filze" notwendig. Diese lapidare Formulierung sollte jedoch nicht über die großen Anforderungen hinwegtäuschen, die diese Arbeit stellt. Hier hat man es mit einem der kompliziertesten Arbeitskomplexen des gesamten Klavierbaues zu tun, dessen handwerkliche Qualität sich später deutlich im Klang des Instrumentes zeigen wird.

Aufbau des Hammerkopfes

Im Prinzip ist der Hammerkopf ein mit Filz umspannter Holzkern. Die heutige Form und Größe hat sich, wie auch die Materialwahl, über die Jahrhunderte entwickelt und stellt das derzeit erreichbare Optimum dar. Die Form und der Aufbau sind in Abbildung 2 dargestellt. Der Hammerkern wird zumeist aus Weißbuche, Nussbaum- oder Mahagoniholz gefertigt. Ober- und Unterfilz werden aus der Wolle der australischen Merinoschafe gewalkt. Unter großer Spannung wird der Filz um den Hammerkern herumgepresst und aufgeleimt. Diese Spannung und die Formgebung des Hammerkopfes sind für die Tonentwicklung von großer Bedeutung.

Eigenschaften und Auswahl

Der Hammerkopf definiert sich über seine Eigenschaften: Gewicht, Länge der Kerns und Gesamtlänge, Härte und Elastizität des Filzes, Form des Anschlagspunktes und der Flanken, Spannung des Filzes und die Übertragung des Kernimpulses durch den Hammerscheitel. Alle diese Eigenschaften sind für den Klang und die Tonformung wichtig und müssen für jeden der 85 bzw. 88 Hammerköpfe einzeln abgestimmt werden. Für das Klavier werden einige hundert verschiedene Hammerkopfsorten angeboten. Die Auswahl muss dem Instrument und dessen Mechanik exakt angepasst sein.

Ständige Beanspruchung und die Folgen

Durch den ständigen Prall an die Saiten ist der Hammerkopffilz reichlich mechanisch belastet. Die millionenfachen Anschläge bleiben nicht ohne Spuren. Es stellen sich Alterungserscheinungen verschiedener Art ein. Die Saiten graben sich in den Filz ein, es entstehen Rillen. Weiterhin verformt sich der Anschlagspunkt zu einer Anschlagsfläche. Durch diese veränderte Geometrie verliert die Obertonreihe der Saitenschwinung, aus der sich direkt der Klangcharakter ergibt, ihre Formung. Zudem entsteht durch die Rillen eine Reibung der Fasern des Filzes an den Saiten, die zu Neben- und Störgeräuschen führt. Auch die Elastizität des Hammerfilzes leidet durch die langwierige Belastung, wodurch die Dynamik des Anschlages zugrunde geht. Lautes und leises Spiel lassen sich nicht mehr differenzieren, eine musikalische Phrasierung wird unmöglich.

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Musikalisch ungenügend

So bleibt in Extremfällen nur ein unvarialber, fahler und eindimensionaler Ton übrig, der mit dem eigentlichen Klavierton kaum noch etwas gemeinsam hat und jedes musikalische Spiel unmöglich macht. Doch nicht nur im Extremfall ist der Einbau eines neuen Hammerkopfsatzes angezeigt. Wenn höhere Ansprüche an den Toncharakter, die Intonation und die Dynamik gestellt werden, kann eine solche Überarbeitung auch ein erst zehn Jahre altes Instrument in seinem Klang wesentlich verbessern.

Anspruchsvoll

Die Erneuerung der Hammerköpfe ist eine komplexe Arbeit, die extreme Präzision erfordert. Winkel, Spatien und Steighöhe müssen exakt stimmen, der Anschlagspunkt an die Saite kann schon bei Abweichungen von Zehntelmillimetern den Klang beeinträchtigen. Mit dem Einbau der Hammerköpfe ist es auch nicht getan: Die Intonation, die stets notwendig ist, ist mindestens ebenso wichtig.

Spezialgebiet Intonation

Das Intonieren von Hammerköpfen ist wohl die schwierigste und verantwortungsvollste Arbeit im gesamten Klavierbau, wenn sie perfekt erfolgen soll. Hier wird jeder einzelne Hammerkopf in seiner Form, Härte und Elastizität so bearbeitet, dass er den richtigen Ton erbringt. Dieser "richtige" Ton muss wiederum mit der Konstruktion der akustischen Anlage, dem Klangcharakter des Instrumentes harmonieren.

Standardarbeit

Das Einleimen neuer Hammerköpfe und die Intonation sind Standardarbeiten in Klavierreparaturen und Restaurierung - aber dennoch technisch und handwerklich hoch anspruchsvoll. Hier wird die Stimme des Instrumentes neu geformt, mit nicht unerheblichen Arbeits- und Materialaufwand. Absolute Präzision und langjährige Erfahrung sind unerlässlich.

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