Klavierhersteller und Firmen

Marken, Namen und Personen

  • Julius BIRKE , Dresden
  • Johann KUHSE, Dresden
  • Julius BLÜTHNER, Leipzig
  • Carl RÖNISCH, Dresden
  • GEBR. DÖHNERT, Dresden
  • SCHIEDMAYER
  • Julius FEURICH, Leipzig
  • Robert WEISSBROD, Eisenberg

  • Julius Birke, Dresden

    Über die Firma Birke ist uns nur wenig konkretes bekannt. Julius Birke hatte in der Zeit der Jahrhundertwende eine Firmenadresse in der Plauenschen Gasse 60, damals in der Altstadt gelegen. Die erhaltenen Birke-Instrumente sind durchweg von so hoher Qualität, dass dieser Hersteller als eine der Spitzenfirmen gelten muss, die um die letzte Jahrhundertwende herum aktiv waren.


    Julius Blüthner, Leipzig

    Gussplatte eines Blüthner Flügels

    Reich ornamentierte Gussplatte in einem Blüthner - Flügel

    Julius Blüthner gründete seine Instrumentenmanufaktur im Jahre 1835, nachdem er zuvor einige Jahre beim Klavierhersteller Bretschneider angestellt war. Die große Nachfrage nach Instrumenten ließ seine Firma schnell wachsen. Besonders durch den ausnehmen hohen Qualitätsanspruch und die handwerkliche und optische Perfektion, die von Anbeginn an Leitlinie waren, war Blüthner zur Zeit der Jahrhundertwende der größte Klavierersteller in Europa. Bis zu 20 Instrumente wurde täglich fertiggestellt.

    Technische Besonderheiten von Blüthner-Instrumenten sind die Verwendung von Oberdämpfer-Mechaniken bis weit ins 20. Jahrhundert hinein, die jedoch wesentlich ausgereifter waren als solche anderer Hersteller. In Flügeln findet sich die Blüthner-Patent-Mechanik und das Aliquot-System.

    Instrumente von Blüthner aus der Zeit der letzten Jahrhundertwende zeichnen sich durchweg durch hohe bis sehr hohe Qualität aus.


    Gebr. Döhnert, Dresden

    Im Jahre 1898 übernahmen Bruno und Theodor Döhnert die Pianofortefabrik von Clemens H. Müller, die zuvor schon über 20 Jahre bestanden hatte. Unter dem neuen Firmenname Gebr. Döhnert wurden eigene Pianinos und Flügel konstruiert. In den besten Zeiten werden ca. 50 Angestellte beschäftigt, die Fabrikräume werden innerhalb der Stadt mehrmals verlegt. Die Firma kann sich bis Ende der 1940er Jahre halten.

    Die Instrumente der Gebr. Döhnert sind durchweg sehr hochwertig gefertigt und hervorragend konstruiert, deren Restaurierung in fast jedem Falle lohnt. Sie tragen den Charakter kraftvoller Konzertinstrumente mit einem sehr unmittelbaren, ehrlichen Ton; Instrumente, die "gerade heraus" sprechen.


    Julius Feurich, Leipzig

    Wappen der Firma Feurich

    Wappen der Firma Feurich

    Im Jahre 1851 wurde die Pianofortefabrik Feurich gegründet. Julius Gustav Feurich begann mit nur einer Handvoll Angestellten, wie viele Klavierfabriken zu dieser Zeit wächst die Firma jedoch schnell an. Zur Jahrhundertwende beschäftigt Feurich ca. 100 Angestellte und hatte große und modern ausgestattete Werksgebäude errichtet. Trotz der Krisen, die der erste Weltkrieg für Feurich brachte, wurden die Instrumente weiterentwickelt und in den 20er und 30er Jahren perfektioniert. Die Wirtschaftskrise und der zweite Weltkrieg brachten erneute Zäsuren, jedoch konnte die Firma, noch immer in der Hand der Familie Feurich, stets bestehen.

    Nach dem zweiten Weltkrieg lief die Produktion langsam wieder an, jedoch wurde nun das Regime der DDR zum immer größeren Problem. Nach einigen Versuchen des Arrangements war 1959 die Firma Feurich nach Gunzenhausen ausgewandert. Dort ist sie heute noch in privater Hand der Familie und produziert weiterhin Instrumente der Spitzenklasse.

    Feurich kann als ein Hersteller der Spitzenklasse angesehen werden. Die handwerkliche Qualität und die Konstruktion der Instrumente ist durchweg überragend gut. Antike Instrumente mit Unterdämpfungsmechanik, die Feurich ab ca. 1910 verwendete, sind der obersten Qualitätsklasse zuzurechnen und sind fast immer eine Restaurierung wert.


    Johann Kuhse, Dresden

    Die Pianofortefabrik Johann Kuhse, 1874 gegründet, produzierte hauptsächlich für den Export. Die Fabrikräume wurden, wie zu dieser Zeit übliche, häufig verlegt, so dass in der kaum 50jährigen Firmengeschichte in vielen verschiedenen Stadtteilen produziert wurde. 1922, fünf Jahre nach dem Tode von Gründer Johann Kuhse, vereinigt sich die Firma mit der Ernst Kaps Pianofortefabrik zur Kaps-Kuhse AG.

    Die Instrumente von Kuhse zeichnen sich durch beeindruckend durchkomponierte optische Gestaltung bei makelloser innerer Konstruktion aus. Neu aufgebaut ebenfalls der oberen Qualitätsklasse zuzuordnen.


    Carl Rönisch, Dresden

    Pianofortefabrik Rönisch in Dresden

    Ansicht der Pianofortefabrik Rönisch

    Roenisch Konzertfluegel aus Katalaog von 1928

    Konzertflügel von Rönisch aus einem Katalog aus den 20er Jahren

    Roenisch Piano aus Katalog von 1928

    Piano im Jugendstil von Rönisch aus einem Katalog aus den 20er Jahren

    Carl Rönisch war noch nicht einmal dreißig Jahre alt, als er seine Werkstatt für Instrumentenbau gründete. Er begann im Jahre 1843 in Löbau, wo heute noch August Förster firmiert. Zwei Jahre später folgte der Umzug nach Dresden, die ersten Angestellten traten in die Firma.

    Rönisch beginnt zwar mit der Fertigung von Tafelklavieren, gibt diese jedoch zugusten der aufkommenden Pianinos auf. Im Jahre 1866 erhält er das Patent auf die von im erfundene gepanzerte Gussplatte, bei der der Stimmstock von einem Panzerfeld der Gussplatte bedeckt ist - eine Neuerung, die heute Standard geworden ist. In diese erste Periode der Firma fällt auch die Produktion von Flügeln nach eigener Konstruktion. Mit der nahenden Jahrhundertwende hat Rönisch ca. 250 Angestellte und bereits weit über 20.000 Instrumente fertiggestellt.

    In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelt Rönisch seine Instrumente weiter bis zu dem Niveau, das die Zeit der besten Instrumente von 1910 - 1920 definiert. Ein Instrumentenkatalog aus den 20er Jahren verzeichnet Klaviere mit hochwertigen Unterdämpungs-mechaniken, Panzerplatte und Bauhöhen bis zu 1,47 m, Flügel in Konzertgrößen bis 2,74 m.

    Rönisch entwickelt über die Jahre hinweg eine Zusammenarbeit mit der Ludwig-Hupfeld-AG in Leipzig, einem großen Klavier- und Flügelhersteller in der anderen Musikmetropole Sachsens. Beginnend 1909 mit gemeinsamen Ausstellungsräumen für Instrumente, wird 1917 die Firma vom jetzigen Leiter Hermann Rönisch an die Ludwig Hupfeld AG übergeben und firmiert als Zweigniederlassung von Hupfeld. Nach dem Tod Hermann Rönischs geht sie als Ganzes in das Eigentum der sich aus der Hupfeld AG entwickelten Leipziger Pianofortefabrik über. In den dreißiger Jahren wird die Zweigniederlassung geschlossen, Instrumente der Marke Rönisch werden nun in Leipzig produziert. Die Schließung der Dresdener Fabrik und die Markenübernahme markiert auch das Ende der eigenen Rönisch-Instrumente. Obgleich in Leipzig weiterhin Instrumente unter diesem Namen produziert wurden, wurden ab diesem Zeitpunkt keine Konstruktionen der Firma Rönisch verwendet, die die charakteristischen Eigenheiten der Instrumente ausmachten.

    Historische Rönisch-Pianos und Flügel können als Instrumente der Oberklasse gelten. Die besten Instrumente, die wir bisher überhaupt gesehen haben, waren häufig alte Klaviere oder Flügel von Rönisch. Restauriert bzw. neu aufgebaut kann man diese Instrumente nur als grandios bezeichnen.

    Rönisch zeichnet sich insbesondere auch durch die durchkomponierte, hoch künstlerische äußere Gestaltung der Instrumente aus.


    Schiedmayer

    Schiedmayer Flügel

    Der Schiedmayer-Flügel der Weltausstellung im Jahre 1900

    Schiedmayer ist der Name einer alten Instrumentebauerfamilie aus Süddeutschland. Es gab innerhalb dieser Familie mehrere Einzelfirmen, die in der Produktion von Klavieren, Flügeln und Harmoniums arbeiteten. Über die Firmenphilosophie gibt folgendes Zitat aus einer kurzen Monographie Auskunft: "Dabei blieb stets der Gedanke maßgebend, nur Qualitätsinstrumente herzustellen und anderen wurde die Fabrikation der sog. Serienware überlassen, die schließlich trotz des scheinbar niedrigeren Preises doch immer zu teuer ist."

    Instrumente von Schiedmayer reihen sich vorbildlich in die höchste Qualitätsklasse ein. Restaurierungen sind sinnvoll und lohnend.


    Robert Weissbrod, Eisenberg

    Die Flügel- und Pianofortefabrik Robert Weissbrod wurde unter diesem Namen im Jahre 1887 gegründet, nachdem die Produktion bereits seit drei Jahren lief, jedoch bis dahin noch unter dem Namen Weissbrod & Pape. Auf Instrumentenausstellungen erhält Weissbrod von 1893 an regelmäßig Medaillen, bis hin zu den höchsten Auszeichnungen. Die Firma bleibt in der Hand der Familie Weissbrod und entwickelt sich nach und nach zu einem renommierten Hersteller. Zu Spitzenzeiten beschäftigte Weissbrod ca. 150 Angestellte. Bis zum Erlöschen der Firma 1937 werden einige zehntausend Instrumente fertiggestellt.

    Die Instrumente von Weissbrod kennen wir aus unserer Praxis als sehr hochwertige Stücke. Sowohl die äußere und innere optische Gestaltung wie auch die technische und akustische Konstruktion ist vorbildlich und solide.

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