Elfenbein

Afrikanischer Elefant

Der afrikanische Elefant benötigt seine Stoßzähne selbst
Bildquelle: Wikipedia

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Klaviatur wie wir sie heute kennen: weiße Untertasten und schwarze Obertasten. Wurden zuvor die Untertasten meist mit Holz belegt und braun oder schwarz belassen, ließ sich die blütenweisse Variante nur brauchbar umsetzen, indem man sie mit Elfenbein oder Knochen versah - andere brauchbare Materialien standen damals noch nicht zur Verfügung. Seitdem gilt das Elfenbein als der Inbegriff für eine hochwertige weisse Klaviatur und ist es eigentlich bis heute geblieben, auch wenn seit 100 Jahren zunehmen andere Materialien verwendet werden und das Elfenbein fast vollständig verdrängt haben.

Elfenbein ist ein Überbegriff für verschiedene Arten von Zahn- oder Knochenmasse verschiedener Tiere. Verwendet wurden und werden allgemein das Elfenbein des afrikanischen und asiatischen Elefanten, des Walrosses, des Nilpferds, der Narwals und des Mammuts. Letzteres ist natürlich nur über die Überreste der ausgestorbenen Mammuts zugänglich, die man beispielsweise in der sibririschen Tundra eingefroren und gut konserviert findet. Jede Sorte besitzt verschiedene Eigenschaften, sie unterscheiden sich in Farbe, Härte, Zähigkeit und Maserung. Im Klavierbau wurde für die Tastenbeläge zumeist das Elfenbein des asiatischen Elefanten benutzt. In der Tat besitzt Elfenbein nahezu optimale Eigenschaften, um damit Tasten zu belegen: Es ist hart, gut polierbar, gut bearbeitbar, nicht zu spröde, sehr haltbar, es kann Feuchtigkeit aufnehmen und bietet den Fingern einen guten und angenehmen Halt. In seinem Wesen hat es einiges mit dem Holz gemeinsam: Mit seinem Faserwuchs ist es ein anisotroper Werkstoff, der quellen und schwinden kann und ähnlich sorgsame Trocknung wie Holz fordert, um nicht zu reißen. Die biologische Herkunft bleibt auch für den Pianisten spürbar: Elfenbeinklaviaturen fühlen sich lebendig an, sie verbinden gleichsam die Tasten mit den Fingern, als gehörten beide zusammen.

Dem gegenüber steht die Herkunft des Elfenbeins: Als Stoßzähne von vorwiegend Elefanten muss jeder Einsatz von Elfenbein wohlüberlegt sein. Der massenhafte Gebrauch unter Inkaufnahme des Leidens und der Dezimierung der Tiere, wie er lange stattfand, ist indiskutabel und falsch! Wir begrüßen die strengen Restriktionen, denen der Handel mit Elfenbein heute unterworfen ist, vorbehaltlos. Gesetzliche Vorschriften beschränken heute den Einsatz von Elfenbein im Klavierbau auf wenige autorisierte Firmen und Einzelinstrumente.

Auch aus diesen Gründen ist es sinnvoll, erhaltene Elfenbein-Klaviaturen nach Möglichkeit zu erhalten und zu restaurieren. Ein durch seine Herkunft sehr wertvolles Material, das Respekt einfordert, sollte nur im Notfall verworfen werden. Verschmutzungen und Vergilbungen stellen kein Problem dar und können bei gewissenhafter Restaurierung vollständig beseitigt werden. Nähere Informationen über die Wiederherstellung von Klaviaturen finden Sie hier: → Klaviatur restaurieren

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